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Martin Mallaun Omonéro

EAN: 9005346703227

EX-SP 032-2



 

 

OMONÉRO - Neue Musik für Zither

Die interessantesten Entdeckungen bieten sich meist an den Rändern, dort wo man sie (vielleicht?) nicht vermuten würde... und dieses Suchen an den Rändern der Musik-Welt fördert bisweilen Unerhörtes zu Tage. Während es vor einiger Zeit so aussah, als würde die Zither in ihrem eigenen Klischee erstarren, erlebte sie in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Renaissance – vor allem in der zeitgenössischen Musik. Unerschöpflich scheint der Klang- und Farbenreichtum dieses merkwürdigen Zupfinstruments mit fünfeinhalb Oktaven Tonumfang und der Aufteilung in fünf Griffbrettsaiten und 34 frei schwingende Basssaiten.

Neben engagierten Interpreten einer jungen Generation verdankt sich dieser Aufschwung auch den Instrumentenbauern, die die Zither in den letzten Jahren konsequent weiterentwickelt und den Anforderungen neuer Musik angepasst haben. Und nicht zuletzt sind es die Komponistinnen und Komponisten, die sich diesem Instrument auf unorthodoxe Weise genähert und es so aus seiner Rolle als Zitatengeber und Heraufbeschwörer einer versunkenen Welt befreit haben. Was in den 1970er Jahren mit zaghaften Versuchen begann (etwa von Mauricio Kagel oder Walter Zimmermann) hat sich inzwischen zu einer Bewegung ausgewachsen, die so prominente (Komponisten-)Namen einschließt wie Bernhard Lang, Olga Neuwirth, Dieter Schnebel oder Georg Friedrich Haas.

Die Stücke dieser CD markieren fünf konträre Positionen und Herangehensweisen an dieses Instrument. Von Leopold Hurt, der LOGBUCH aus einer improvisatorischen Klangrecherche entwickelt hat, bis zur postseriellen Musik des Dieter Schnebel. Vom verinnerlichten Nachspüren und -hören eines Franz Hautzinger über die radikal witzige Experimentierlust von Manuela Kerer bis zum mikrotonalen Klangkosmos von Georg Friedrich Haas.

www.martinmallaun.com

Martin Mallaun studierte Konzertfach Zither am Tiroler Landeskonservatorium (und Botanik an der Universität Innsbruck). Während und nach seinen Studien besuchte er Workshops im Bereich der historischen Aufführungspraxis (Hopkinson Smith, Rolf Lislevand, Jürgen Hübscher) und der zeitgenössischen Musik/Improvisation (Gunter Schneider, Hans Koch, Georg Glasl). Prägend für seine musikalische Entwicklung waren auch private Studien beim Lautenisten Hubert Hoffmann in Wien.

Neben der Zusammenarbeit mit diversen Musikern, Schauspielern und Schriftstellern begründete er zahlreiche eigene Projekte (u. a. „…oh süßliebstes ferslein“ mit dem Schauspieler Klaus Ortner und dem Improvisationstrio „tricky bridges“, die langjährige Zusammenarbeit mit dem Tenor Johannes Puchleitner, „Kleitschophones“, „Senkblei“, das Jugendprojekt „Klangfarben“). Daneben erhielt er Engagements als Solist bei internationalen Orchestern. Zahlreiche Uraufführungen zeugen von seinem Engagement für die Neue Musik (Stücke von Manuela Kerer, Max Nagl, Harald Oberlechner, Helga Pogatschar, Manuel de Roo, Ralph Schutti, Rudi Spring und Robert Zollitsch).
 
Im Jahr 2004 war Martin Mallaun Preisträger beim 1. Volkmann-Preis (München), dem ersten internationalen Wettbewerb für Zither, in dessen Jury er 2008 berufen wurde. Für sein Solo-Debut „zwischen steinen“ wurde er 2005 mit dem Pasticcio-Preis von Radio Ö1 ausgezeichnet.

Martin Mallaun arbeitet als frei schaffender Musiker und als Musiklehrer im Tiroler Musikschulwerk. Seit 2001 ist er Mitarbeiter im Forschungsprojekt GLORIA, das die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation alpiner Ökosysteme untersucht). „Beim Hören kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus“, sagte der bekannte Gitarrist und Radiomacher Helmut Jasbar anlässlich der Verleihung des angesehenen Ö1-Pasticcio-Preises 2006 an Martin Mallaun.

Titelliste

>> Leopold Hurt (*1979) LOGBUCH (Hommage à K.V.), 2007
01 Erster Eintrag 03:35
02 Zweiter Eintrag 04:22
03 Dritter Eintrag 03:41
>> Dieter Schnebel (*1930) Sammelsurium, 2006
04 wie? 01:13
05 Auf! 01:26
06 so oder so 01:40
07 vielleicht... 00:55
08 ja! ja! ja! 00:37
09 nein, nein... oder? 01:08
10 und doch! 01:29
11 nach und nach 02:06
12 nochmals 00:42
>> Franz Hautzinger (*1963) kleine Göttermusik, 2009
13 Göttertisch 02:35
14 Göttertrank 02:58
15 Götterspeise 01:12
16 Godess 01:43
17 Goldstaub 01:37
18 Göttertisch II 00:46
19 Göttertisch 01:23
>> Manuela Kerer (*1980) Impresa Omonéro, 2009
20 Gedanken (ver)MISCHEN 00:38
21 Austeilen haal 01:19
22 Ziehen hinterfotzig 03:09
23 Paare ablegen hinterrux 00:59
24 Farbe bekennen fregiert 02:35
25 HETSCHEPETSCH Strof 01:01
>> Georg Friedrich Haas (*1953) 2001
26 Ein Saitenspiel für umgestimmte Diskantzither 09:08
Instrumente:
Altzither Klemens Kleitsch 2003: 1.-3.
Diskantzither Klemens Kleitsch 2007:

4.-11., 13.-19., 20.-25.

 

Diskantzither Ulrike Meinel 2003:

 

Kritiken

Falter, Carsten Fastner: 

Zitherpartie

Mehr als fünf Oktaven Tonumfang sind für ein so kleines Instrument schon ganz schön beachtlich, doch sein eigentlicher Reiz liegt darin, dass es neben fünf Griffbrettsaiten noch über 34 freischwingende Basssaiten verfügt: Sie verleihen der Zither einen enormen Klang- und ­Farbenreichtum. Da steckt mehr drin als „Dritter Mann“ und Stubenmusik, und das haben seit einiger Zeit auch die Damen und Herren von der musikalischen Avantgarde entdeckt – tatkräftig unterstützt von jungen Interpreten, die ihr traditionsreiches Instrument für die Gegenwart neu entdecken wollen.
Der Tiroler Martin Mallaun (geb. 1975) ist einer von ihnen. Er widmet sich der traditionellen Volksmusik seiner Heimat ebenso wie der Improvisation, hat auf seinem preisgekrönten Debütalbum („Zwischen Steinen“, 2005) barocke Lautenmusik transkribiert und ließ nun mit
„Omonéro“ (Extraplatte) ein Album ausschließlich mit Neuer Musik für Zither solo folgen. Darauf beeindruckt nicht nur der klangliche Reichtum des Instruments, sondern auch die Vielfalt der kompositorischen Ideen: Leopold Hurt liefert einen herrlich grotesken Karl-Valentin-Soundtrack, ­Dieter Schnebel sammelt verschiedene Anfänge, Franz Hautzinger versenkt sich in einzelne Töne, Manuela Kerer spielt fiese Spielchen und Georg Friedrich Haas verstimmt das Instrument und dringt in die unendlichen Weiten der Mikrotonalität vor.

Carsten Fastner in Falter : Woche 28/2010 vom 14.7.2010 (Seite 23)

 

 

Neue Zeitschrift für Musik, Christoph Wagner:

Musikalische Wertung: 4
Technische Wertung: 4
Repertoirewert: 4
Booklet: 4
Gesamtwertung: 4

Die Zither ist ein Exot in der neuen Musik. Aufbauend auf den frühen Experimenten mit dem Instrument (etwa Mauricio Kagels Charakterstück für Zither-Quartett von 1972) entdecken inzwischen jedoch immer mehr zeitgenössische Komponisten das Saiteninstrument als interessante Klangquel­le. Dem steht eine wachsende Zahl von Solisten gegenüber, die vermehrt Zither-Kompositionen in der Öffentlichkeit vorstellen. Martin Mallaun ist einer der exponiertesten junger Vertreter des Instruments, der mit Omonéro ein Album vorlegt, das einen Einblick in die große Vielfalt aktueller Zithermusik gibt und so authentisch klingt, als würde die Avantgarde schon immer Zither spielen.
Werke von fünf Komponisten präsentiert Mallaun auf der Einspielung, von denen Dieter Schnebel und Georg Friedrich Hass die arriviertesten sind. In unterschiedlicher Manier wird dabei die Zither in der ganzen Bandbreite ihrer klanglichen Möglichkeiten vorgestellt – von den Geräuschen «erweiterter Techniken» über mikrotonale Klangwelten bis in die Sphären melodischen Wohlklangs. Schne­bels Sammelsurium ist ein Wech­selbad dynamischer und atmosphärischer Einheiten, die manchmal aufbrausend und vehement, dann wieder melancholisch oder zart klingen, während Haas in seinem Saitenspiel für ungestimmte Diskantzither die Ritzen und Spalten ausleuchtet, die sich zwischen der Wohltemperiertheit auftun.
Franz Hautzinger, eigentlich als experimenteller Improvisator und Ge­räuschtrompeter bekannt, vertraut in den Miniaturen seiner Kleinen Göttermusik von 2009 auf die Kraft einfacher Melodien und geht der Atonalität fast völlig aus dem Weg. Durch Repetition mit kleinen Variationen entwickeln die stoischen Melodien, die gelegentlich an Rockriffs erinnern, eine poetische Qualität, wie sie auch in der Saitenmusik des Fernen Ostens zu finden ist. Im Kontrast dazu steht das Stück Impresa Omonéro der jungen Komponistin Manuela Kerer, die darin extreme Klanglichkeiten auslotet, auf den Saiten reiben, streichen und kratzen und auf den Holzkasten klopfen lässt. Wirkungsvoll nutzt sie Flageoletts in Kombination mit Slide-Effekten.
Leopold Hurt hat dagegen die drei Teile der Komposition Logbuch von 2007 aus Improvisationen destilliert, wobei er sprunghaft, manchmal sogar abrupt, und mit expressivem Gestus zwischen den verschiedenen Patterns hin- und herwechselt und sie mit klanglichen Querschlägern zu unterlaufen sucht.

Christoph Wagner

www.musikderzeit.de

 

Tiroler Tageszeitung,

Ursula Strohal

Innsbruck – Martin Mallaun, musikalisch der grenzsprengenden Zitherklasse des Tiroler Landeskonservatoriums entwachsen und ein international anerkannter Meister seines Fachs, ist, wie er sagt, „beständig auf der Suche nach neuen klanglichen und stilistischen Ausdrucksformen auf der Zither“. Seine erste CD, „zwischen steinen“, wurde mit dem Pasticcio-Preis von Ö1 ausgezeichnet, die zweite, „Omonéro“, ist soeben erschienen und voller Überraschungen. Fünf zeitgenössische Komponisten sorgen dafür, dass der Kitzbüheler Musiker seinem Instrument Töne und Rhythmen entlockt, die man der Zither nie zugetraut hätte. Mallaun: „Unerschöpflich scheint der Klang- und Farbenreichtum dieses merkwürdigen Zupfinstruments mit fünfeinhalb Oktaven Tonumfang und der Aufteilung in fünf Griffbrettsaiten und 34 frei schwingende Basssaiten.“

Leopold Hurt lässt ihn zupfen, wischen und klopfen, regt ihn zu neuen Techniken an, die auch neue Klangergebnisse bringen. In vielen Wiederholungen hört diese Musik sich selbst nach. Dieter Schnebels „Sammelsurium“ erprobt in kurzen Stücken die Kunst des Anfangs, zögerlich, überschwänglich, fragend, perkussiv. Vertreten ist auch Georg Friedrich Haas’ „Saitenspiel für umgestimmte Diskantzither“, Auftragswerk des Klangspuren-Festivals von 2002: ein intellektuelles Spiel von eindringlicher Wirkung, das sich nach gut neun Minuten und einem explosiven Akkord zart und rasch in einer Aufwärtsbewegung auflöst. Erstmals wagte sich der Trompeter Franz Hautzinger für eine „kleine Göttermusik“ an die Zither, präludierend, sich forttastend, sich erinnernd, alles reduziert und zart. Verlangsamte, minimalistische Technik, die hineinzieht in ihre introvertierte Schönheit.

„Omonéro“ heißt das Schwarzer-Peter-Spiel in der Toscana und „Impresa Omonéro“ das Stück von Manuela Kerer. Die sechs Sätze entstehen über Klopfzeichen, über ostinate Rhythmen, da überfallen einen witzige Passagen und bedrohliche Pausen, Einzeltöne reizen die Resonanz aus, plötzlich wird gesägt und Berggeister scheinen unterwegs zu sein. Hinter den Satzbezeichnungen aus Südtiroler Synonymen für „hinterhältig sein“ („Ziehen hinterfotzig“, ,,Paare ablegen hinterrux“ usw.) verbirgt sich Kerers Musikalität und Originalität.

Omonéro, Neue Musik für Zither. Martin Mallaun, Zither. Werke von Hurt, Schnebel, Hautzinger, Kerer, Haas (Extraplatte).

 

26.

 

 

 

 

 

          

        
Artikelnummer: EX-SP 032-2
Price per Unit (Stück): € 19,50 (including 20 % tax) 

 



http://www.extraplatte.com